12. Mai 2010, von Barbara Mayer
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Patrick Morawetz

Patrick Morawetz ist Freerunner der ersten Stunde und einer der wenigen Österreicher, die sich ihr Brot mit diesem Sport verdienen. Im Interview spricht er über Chancen und Gefahren, die der Hype ums Freerunning mit sich bringt, und seinen Lebenstraum.

zur FotoshowErwin Polanc / Red Bull Photofiles
Patrick Morawetz ist Freerunner der ersten Stunde, Gründungsmitglied der Austrian Freestyle Foundation und der Ape Connection. Er war beim Art of Motion 2010 als Organisator und Judge am Start.

Das Art of Motion war ein Riesen-Event und mittlerweile sieht man immer mehr Freerunner in den Wiener Straßen. Wie steht’s deiner Meinung nach um die österreichische Szene?
Patrick Morawetz:
„Wir befinden uns noch immer in einem Hype, das habe ich in den letzten zwei Jahren sehr stark beobachtet. Nicht nur, was die aktive Szene angeht, die sicher ein großer Teil der Zuschauer beim Art of Motion war; es ist heute auch nicht mehr schwer, Leute zu erreichen, die das interessiert – gerade über Social-Media-Plattformen. Das hat man jetzt auch gemerkt: Wenn das Wetter beim Art of Motion besser gewesen wäre, wären sicher noch mehr Leute gekommen, und wir hatten so schon zwischen 3.000 und 4.000 Zuschauern.“

Überlegt ihr, das Art of Motion nächstes Jahr an einem anderen, größeren Ort zu veranstalten?
„Es geht uns gar nicht wirklich um die Größe, aber es ist geplant, es nicht wieder in der Arena zu machen, um zu zeigen, dass wir nicht abhängig sind von der Location. Wir haben noch nicht wirklich etwas geplant, aber wir scouten das ganze Jahr über.“

Wie lange wart ihr mit den Vorbereitungen fürs Art of Motion 2010 beschäftigt? Wie kann man sich eure Arbeit vorstellen?
„Naja, davor sind es schon einige Monate. Am Anfang kommen Ideen und Brainstorming und die Spots, wo wir es machen wollen. Die intensive Arbeit beginnt dann so eine Woche vorher, wo das ganze Marketing wirklich stehen muss; danach wird es zwar weniger, aber es ist noch nicht vorbei. Das wird auf jeden Fall noch ein paar Tage dauern.“

Also arbeitest du im Prinzip ein paar Monate Vollzeit daran – oder sogar mehr als Vollzeit?
„Ja (lacht). Wenn man da wirklich drinnen hängt und alles an Energie investiert, dann ist es auf jeden Fall mehr als Vollzeit, weil man gar nicht abschalten kann und sein Privatleben vernachlässigt. Auch wenn man Freizeit hat, denkt man die ganze Zeit darüber nach, hat eine neue Idee oder bekommt einen Anruf. Es war eine geniale Zeit, ich habe sehr viel gelernt, aber es ist auf jeden Fall Vollzeit.“

Du bist Gründungs-Mitglied der Austrian Freestyle Foundation und ihr macht mit der Ape Connection Workshops, Film- und Fotoproduktionen, Werbungen, usw. Kannst du vom Freerunning leben?
„Also ich schon. Leben und leben ist zwar nicht das Gleiche, aber ich habe neben dem Studium immer branchenfremd gearbeitet, das mache ich jetzt nicht mehr. Ich bin als Trainer tätig und so kann ich mich ganz gut finanzieren. Nur von den Projekten könnte ich nicht wirklich leben, weil das meiste für mich nicht sehr profitabel ist – das heißt ich organisiere es, um es zu machen und ins Leben zu rufen, aber nicht um Geld damit zu verdienen. Deswegen die Trainertätigkeit, weil da hat man sein ganz normales Gehalt und erspart sich, irgendwo an der Kassa zu sitzen.“

Gibt es in Österreich Freerunning-Pros, die rein vom Sport leben können?
„Ich denke, dass es einige – nicht viele – so machen wie ich und bei verschiedenen Vereinen als Trainer arbeiten. Es gibt dann auch Leute wie Lukas Steiner, der mit seinem Verein in Tirol wirklich viel macht, der hat auch ein eigenes Management, das ihm Jobs besorgt und finanziert sich auch so. Aber viele sind es nicht in Österreich.“

Und weltweit?
„Sie sind auf jeden Fall abzählbar und es sind wirklich Gesichter, die man aus den Medien kennt, weil sie das beruflich machen. Die haben Sponsorenverträge und ein Management und haben sicher ein cooles Leben – stressig halt, so wie bei jedem Athleten, der ein full Sponsorship hat.“

Wie sieht es mit Sponsoring im Freerunning aus? Lassen sich Sponsorengelder leicht auftreiben? Kommen die Gelder eher aus der Szene oder von sportartfremden Sponsoren?
„Obwohl man Freerunning jetzt schon kennt – es gibt ja wirklich schon viele Werbungen und Plakate – ist es noch immer sehr interessant für Firmen, auch für branchenfremde, wie man jetzt auch wieder auf den Raiffeisenplakaten sieht (wo Andrej Lisal zu sehen ist, Anm.). Projektbezogen ist Sponsoring natürlich möglich, wenn man jetzt aber fix Hauptsponsoren sucht, ist es wie in jeder anderen Sportart auch schwierig. Ich persönlich bin aber nicht so der Fan von Sponsoring, weil man sich irgendwie für ein Produkt verkauft. Das ist projektbezogen kein Problem – wenn man nach einem Event draufkommt, dass man sich doch nicht mit dem Produkt identifizieren kann, ist es wieder vorbei. Wenn man aber fünf-Jahres-Verträge für irgendwelche Schuhe hat, die einem gar nicht passen, dann ist das für den Grundgedanken der Sportart nicht sehr authentisch. Wobei das ist jetzt meine Meinung und ich bin nicht abhängig von irgendeinem Hauptsponsor, der mir jährlich eine Summe bietet.“ 

Wie bist du zum Freerunning gekommen?
„Ich fahre schon mein ganzes Leben lang Skateboard, zumindest seit ich zehn bin, dann habe ich Snowboarden und BMX ausprobiert. Cirka 2003 habe ich mit einem Freund begonnen, mich eben so zu bewegen – da hat Parkour gerade ganz leicht nach Österreich gefunden und wir haben begonnen, diese Bewegungen zu üben, nur für uns. Da hat es noch nicht so ein Angebot gegeben wie heute. Das war dann auf jeden Fall das, was ich mein Leben lang gesucht habe. Ich übe es genauso aus wie Skateboarden, ich gehe mit Freunden raus und trainiere, zwar intensiver als beim Skateboarden, aber für mich ist das eine ähnliche Einstellung wie dem Skateboarden gegenüber, nur bin ich nicht abhängig von einem Gerät oder einem glatten Untergrund. Ich habe viel mehr Möglichkeiten, mich auszudrücken, als mit einem Skateboard, es ist für mich aber trotzdem eine ähnliche Sportart.“

Freerunning in Wien

 
 
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