22. Okt 2009, von bm
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Dew Tour Champ Chris Cole

Gerade wurde Chris Cole zum Dew Tour Gesamtsieger im Skateboard Park Bewerb gekrönt, da sitzt er auch schon mit ESPN für ein Interview zusammen. Wir haben die Kurzfassung.

Tony Donaldson/Shazamm/ESPN
So sieht ein Abräumer aus, der auf schmalem Fuß lebt: Chris Cole, neuer Dew Tour Gesamtsieger im Skateboard Park Bewerb.

ESPN: Actionsport geht immer mehr in Richtung Mainstream: Denkst du, Skateboarder wie du sind wie andere Athleten, oder handelt es sich bei euch um eine völlig unterschiedliche Sportler-Gattung?
Chris Cole: „Ich würde sagen, wir sind alle ziemlich ähnlich. Skater mögen es abtun und sagen, wir haben nichts gemeinsam, aber ich stimme da nicht zu. Wir haben sehr unterschiedliche Talente, aber es geht eigentlich nur darum, was man mit seinem Leben macht, worin man gut ist und was einen glücklich macht. So lange positives Talent dabei rauskommt, ist es am Ende doch dasselbe. Mir ist es egal, dass Baseball-Spieler am Abend ohne aufgeschürfte Ellbogen heim kommen. Ich respektiere, was sie tun, und hoffe, sie haben den gleichen Respekt für das, was ich tue.“

Du hast einige der lukrativsten Skate-Contests gewonnen und bist ein gut gesponserter Pro. Hast du Geldsorgen?
„Absolut. Ich mache mir ständig Sorgen darüber, jeden Tag. Ich habe eine Familie. Wir Skateboarder machen nicht so viel Geld, wie man es manche Pros verschwenden sieht. Meine Freunde würden die vermutlich sagen, ich Lebe unter meinen finanziellen Mitteln. Ich lebe wirklich einfach, aber ich denke trotzdem die ganze Zeit ans Geld. Ich will einfach sicher sein, dass wir damit auskommen.“

Du hast heuer den Maloof Money Cup und ein paar Dew Tour Cups gewonnen und bist der Dew Tour Champion 2009. Hast du wirklich nie etwas von dem Geld rausgeworfen?
„Ich habe eine 4.000 Dollar Gitarre gekauft, aber die war ihr Geld wirklich wert.“

Was bedeutet ein großer Contest für einen Skater, bei dem es viel Geld zu gewinnen gibt?
„Es kommt immer darauf an, worum es geht. Wenn du zum Beispiel einen Wallenberg Contest mitfährst, geht es um Street Cred. Man weiß, dass man komplett fertig heimgehen wird und einem der ganzer Körper wehtun wird, und alles für vielleicht 10.000 Dollar Preisgeld. Aber man macht es und es ist es wirklich wert und auch wichtig. Und dann gibt es wirklich große Contests wie die X-Games oder die Dew Tour, wo mehr Geld drinnen steckt.

Wie viel kann man da einsacken?
„Ich glaube, der Dew Cup Gewinner bekommt ungefähr 75.000 US-Dollar. Das ist es wert, würde ich sagen.“

Einige alteingesessene Street Skater pfeifen auf die kommerziellen Contests und große Sponsoren. Du bist 27 und stehst ziemlich in der Mitte zwischen der alten Garde und den Glamour-Kids. Wie siehst du das?
„Unsere (Skate)Welt verändert sich gerade völlig, das kann niemand abstreiten. Leute wie Chaz Ortiz, Paul Rodriguez und Ryan Sheckler sind Stars geworden – also echte Stars. Die alte Garde hält am Skateboarden fest, wie es früher war – auf der Strasse. Ich respektiere Street Skaten, aber ab einem gewissen Punkt muss man sich auch um seine Familie kümmern. Man muss Hypotheken bezahlen und ich denke, manche Leute verstehen einfach nicht, was es heißt, über die Runden zu kommen. Es geht nicht immer nur ums Skateboarden, diese Denkweise hilft im Moment niemandem weiter.“

Wenn du etwas Kommerzielleres machst, wie zum Beispiel die Dew Tour, musst du das vor dir selbst oder vor anderen rechtfertigen?
„Ja, natürlich. Man muss erklären, dass man nicht einfach skaten gehen kann, wann immer und wo immer man will, wenn man auch Zeit mit seiner Familie verbringen will. Und dass man bestimmte Dinge tun muss, damit seine Frau nicht arbeiten gehen muss, wenn sie gerade ein Baby bekommen hat – denn dann könnte man ja selbst auch nicht einfach zwei Wochen abhauen und bei einer Skate Tour mitfahren und mit dem Skaten Geld verdienen. Die Jungs denken nicht an so etwas, manche Leute beurteilen einfach nur, was sie sehen: Entweder das eine oder das andere, echt oder scheiße. Es tut mir leid, aber ich glaube nicht, dass sie überhaupt probieren, das zu verstehen. Ich habe gelernt, dass manche Leute einfach nie sehen, aus welchem Background man kommt.“

Was würdest du machen, wenn du nicht skaten würdest?
„Ich weiß nicht, vielleicht irgendeine Handwerks-Schule. Ich würde gerne etwas bauen oder schweißen oder fliesen. Ich wünschte, ich könnte ein Verdeck auf mein Haus bauen.“

Du hast Spaß beim Skaten, aber es ist trotzdem dein Beruf. Ist dein Sohn schon alt genug, um das zu verstehen?
„Ja, er blickt da durch. Er ist dreieinhalb. Es ist lustig, weil das, was ich tue, ist ziemlich ähnlich wie sein Job. Wir machen beide, was wir eben so machen und haben Spaß dabei. Hin und wieder ist mein Spaß ein bisschen gefährlich, aber ich glaube, er versteht, dass das eben das ist, was sein Papa tut.“

Das komplette Interview auf Englisch gibt's hier.

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